Kleines Loblied auf Bildstabilisatoren…

Fabrik vor Mond...

Fabrik vor Mond…(*)

Seit einigen Wochen arbeite ich viel mit der Sony A7II. Als Sony mit der ersten spiegellosen Vollformatkamera, der A7, auf den Markt kam, haben sich viele Tester und Anwender auf die geringere Größe des Systemes eingeschossen. Die Idee einer Vollformatkamera (also genauer: Kleinbild-Vollformat) ohne mechanischen Spiegel und Spiegelkasten fand ich auch verführerisch. Allerdings waren die ersten haptischen Kontakte eher frustrierend: Die Bedienelemente lagen für mich merkwürdig, das „Anfaß-Erlebnis“ war so, wie die Optik vermuten ließ: sperrig.

Hochinteressant hingegen war der Wegfall eines immerwährenden Problemes auf der SLR-Kamera: Front- bzw. Backfocus. Das bekanntermassen entsteht, weil der Focus in einem anderen Strahlengang gemessen wird als der Strahlengang der Bildabbildung. Und diese beiden Wege müssen aneinander angeglichen werde. Je höher die Kameras auflösten, desto empfindlicher wurde das ganze System.
Und auf der Negativseite war ich unsicher, inwieweit die Hersteller der Spiegellosen zur unbestrittenen Qualität eines Phasen-AF der SLR-Kameras aufholen würden.
Nach der Vorstellung der A7II habe ich dann den wichtigsten Test bei einem Fachhändler hier vor Ort wiederholt: Wie fühlt sich das an? Und den Test bestand die neue A7II sofort. Kompakt, kräftig, gut in der Hand liegend, die wichtigsten Bedienelemente endlich da, wo sie hingehörten.

Was ich nicht so richtig wichtig fand, war die Größe: Die Kamera selbst mag kleiner sein, der Unterschied hört spätestens bei den Optiken auf. Für eine offene Blende und einen Vollformat-Bildkreis müssen diese Optiken eine bestimmte Größe haben, und das ist auch so. Sony versucht immer noch, diesen Vorteil mit kleinen Schummeleien hochzuhalten: Bei den lieferbaren Gläsern hört die Lichtstärke zu oft bereits bei 4 auf, solche mit 2,8 sucht man vergebens. Kommt dann eines heraus, wie das Makro FE 90 mm mit F2,8, dann ist das auch, oh Wunder, so groß wie in anderen Vollformatsystemen.

Jetzt, nach mehren Wochen Test mit mehreren Reisen kann ich als Fazit ziehen:

Ich mache keine unscharfen Fotos mehr – warum: gleich mehr.

Bei den verfügbaren Optiken bin ich noch etwas sparsam: Neben dem Kit-Objektiv 28-70 nehme ich als lichtstarke Festbrennweite noch das FE55/1,8. Mit diesen beiden Optiken sind alle Aufnahmen hier gemacht.

Was tatsächlich so ist wie in vielen Testberichten: Die Akkulebensdauer ist nicht so besonders. Im Schnitt nach 400-500 Aufnahmen muss der Akku an die Ladestation. Dagegen hilft der Ersatzakku. Angenehm finde ich, dass man den Akku in der Kamera laden kann. Sony hat viel Kritik dafür einstecken müssen, dass kein Ladegerät mitgeliefert wurde. Für meine Art der Fotografie war die Aufladung im externen Ladegerät eher nervig: Akku rausnehmen, ins Ladegerät (das man auch nicht vergessen durfte), geladenen Akku wieder in die Kamera. Das reduziert sich jetzt darauf, die Kamera an ein USB-micro-Kabel anzuschließen. Sowas hat man sowieso dabei, um eBook-Reader, Tabletts oder Telefone aufzuladen.

Auch das Rauschverhalten der A7II wird als „nicht perfekt“ bemängelt. Vergleiche ich das mit der Kamerageneration davor und denke ich an die wunderbaren Werkzeuge in Lightroom, mit denen man das Rauschen effektiv bekämpfen kann – dann schreckt mich das überhaupt nicht.

In dunkler Nacht...

In dunkler Nacht…(*)

Die wirklich wichtigen Eigenschaften der A7II allerdings sind für mich die Kombination von perfekter Griff-Ergonometrie, dem exaktem Autofocus und dem wirklich genialen Bildstabilisator. Addiere ich dazu noch die (einstellbare) Anzeige im Sucher, mit der ich das Endergebnis (Belichtung, Schärfentiefe, etc.) wunderbar vorher sehen kann: Ein Werkzeug, mit dem man in Situationen schnell Bilder machen kann OHNE Stativ und weiteres Geraffel mit zu haben. Das Foto oben ist bei Mondlicht am Strand aufgenommen, mit dem 55mm Zeiss bei Blende 1,8, 1600 ISO und 1/5 Sekunde Belichtung.(*)

Der Autofocus wird bei solchen Lichtverhältnissen etwas zickig, funktioniert aber trotzdem gut. Ansonsten ist in der Einstellung „DMF“ immer ein manuelles Nachjustieren möglich: Einfach bei weiterhin angedrücktem Auslöser den Fokus-Ring bewegen, der Sucher vergrößert sofort den Bereich um dem aktuell gewählten Fokuspunkt.

Was ich bemerke, je länger ich damit arbeite: Das Vertrauen in die Fähigkeit der Technik steigt rasant an. Schwierige Lichtverhältnisse? Lange Belichtungszeit? Der Stabilisator wird es richten. Tut er auch. Und die Kombination von 24 Mpix und Optiken, die das auch auflösen: Das verspricht eine schöne Mensch-Maschine-Beziehung zu werden.

(*) Die beiden oben gezeigten Bilder sind sicherlich nicht PERFEKT scharf, aber für die Bedingungen, unter denen sie entstanden sind, erstaunlich gut und wunderbar nutzbar.

1 reply »

  1. […] Zufallsfund. Auf dem Weg am Krankenhaus St. Jürgen vorbei. Noch feuchtes Pflaster vom Regen. Mit der Sony A7II gemacht, 55mm Zeiss Optik, ISO 200, 1/6 Sekunde bei Blende 2. Hab ich schon mal gesagt, dass der Bildstabilisator in den neuen Sonys ZIEMLICH gut ist? Hab ich, und zwar genau hier […]

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